KI statt KO?!

Eine Arbeitswelt, in der Unternehmen durch KI-Tools und innovative Technologien ihre Leistungsfähigkeit auf ein neues Level heben, genau darum ging es beim Business Future Day 2026 bei der IHK Niederbayern am Standort Passau. Bei der mit 200 Teilnehmern ausgebuchten Netzwerkveranstaltung konnten die Gäste entdecken, wie sie mit KI ihre Prozesse automatisieren, die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine optimieren und ihre Teams zu neuen Höhenflügen führen können.

Interessierte aus dem Betriebsalltag herausholen, sich mit aktuellen Themen beschäftigen und von regionalen Größen lernen – das ist das Ziel des Business Future Days. Auch in der dritten Ausgabe profitierten Unternehmer, Führungskräfte und Interessierte von der Expertise der Vortragsredner. Roger Basler de Roca aus Zürich ist Betriebsökonom, Top100 Keynote Speaker und Digitalunternehmer. Zu seinen Spezialgebieten gehört der Aufbau von digitalen Geschäftsmodellen und er hat eine Vorliebe für Algorithmen und Künstliche Intelligenz. Aber nicht irgendeine KI – es geht um eine souveräne und unabhängige KI. Er ging an die Basis: Macht KI Menschen dümmer oder fauler? Was passiert, wenn Menschen nicht mitdenken? Was macht man eigentlich mit KI und warum? Seine These: „Digitale Souveränität entsteht durch Kompetenz, und die kommt von Können“. Die Integration von KI in Arbeits- und Bildungswelten erfordere den sicheren Umgang mit Daten, um Informationen richtig zu verstehen, zu nutzen und zu bewerten. Ebenso wichtig sei die Fähigkeit zum Dialog, damit Menschen effektiv mit KI-Systemen kommunizieren und deren Ergebnisse einordnen können. Schließlich ist Prüfungskompetenz notwendig, um die Resultate von KI kritisch zu hinterfragen, zu überprüfen und verantwortungsvoll anzuwenden. „Bedenken Sie: Jede dritte KI-Antwort enthält Fehler und ganz klar, wir Menschen sind das Problem, wir publizieren, prüfen und korrigieren viel zu wenig“, so der Redner.

Roger Basler de Roca gab den Teilnehmern daher einen konkreten KI-Fahrplan an die Hand. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz beginnt mit einer klaren unternehmerischen Entscheidung. Im Mittelpunkt stehen konkrete Use Cases, bei denen KI messbaren wirtschaftlichen Nutzen stiftet – etwa durch Effizienzgewinne, bessere Entscheidungen oder neue Ertragsquellen. Nicht die Technologie, sondern der Anwendungsfall bestimmt den Erfolg. Voraussetzung dafür ist ein realistischer Blick auf die vorhandenen Daten und die Frage, ob sie in Qualität, Struktur und Verfügbarkeit für KI geeignet sind.

Die Umsetzung erfolgt pragmatisch und schrittweise, mit überschaubarem Aufwand und klarer Verantwortung. Parallel wird gezielt Datenkompetenz aufgebaut: Führungskräfte müssen Daten verstehen und einordnen können, Fachbereiche lernen, mit KI-Ergebnissen zu arbeiten, und Daten werden systematisch gepflegt. Pilotprojekte, die schnell in bestehende Prozesse integriert werden, schaffen Tempo und Akzeptanz.

In der Prüfphase wird bewertet, ob die KI den erwarteten Nutzen liefert. Entscheidend sind dabei nicht nur technische Kennzahlen, sondern vor allem Wirtschaftlichkeit, Datenqualität, Transparenz und Verlässlichkeit der Ergebnisse. „Regelmäßige Reviews stellen sicher, dass die KI-Lösung dauerhaft steuerbar bleibt“, so Basler de Roca. Langfristiger Erfolg entsteht seiner Meinung nach nur durch kontinuierliches Lernen: Use Cases werden weiterentwickelt, neue Anwendungsfelder identifiziert und Datenkompetenz fest in der Organisation verankert. „Unternehmen, die KI als dauerhaften Lernprozess verstehen und datengetriebene Entscheidungen fördern, sichern sich nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit“, betonte der Unternehmer.

Aufgeteilt in Gruppen gab es gezielt niederbayerische Expertise von regionalen KI-Experten. Philipp Mann von der Agentur Philipp in Dingolfing zeigte mit seinem spannenden Vortrag „In 40 Minuten 10.000 Euro sparen? Wir bauen mit dir live ein KI-Telefon für dein Unternehmen!“, wie ein KI-gestütztes Telefonsystem eingehende Anrufe strukturiert führen und automatisiert verarbeiten kann. Das KI-Telefon filtert gezielt und detailliert und führt vom Beschwerdemanagement bis zu Buchungen verschiedenste Schritte automatisiert durch. Das spart immens viel Zeit und der Unternehmer kann sogar Verhaltensweisen des Sprechers oder die Tonalität des Gespräches festlegen.

„Vom reinen Tool zur echten Wirkung? – So verändert ein KI-Buddy den Arbeitstag!“ Diesen Beweis traten Christian Kirsch und Silvio Angelillo von Passion4IT aus Viechtach an. KI könne wie ein echter Mitarbeiter komplexe Arbeitsprozesse strukturieren und organisieren und so Raum schaffen für wichtige andere unternehmerische Tätigkeiten.

Sarah Stemmler von der synsugar GmbH aus Passau wurde ganz konkret mit dem Thema „Automatisierung im Büro – Mit KI-gestützten Workflows der Daten- und Aufgabenflut begegnen!“ Als „Zettelwirtschaft-Verwandlerin und Dokumentenprofi“ führte sie anhand eines Beispiels vor, wozu KI – richtig eingesetzt – imstande ist.

Für staunende Blicke sorgte auch das Dingolfinger Team der DE group um Andreas Tobisch. Ein live gedrehtes und besprochenes Video, das zeigt, wie die Kette einer Kettensäge gewechselt wird, setzte die KI sofort in ein druckfähiges Manual um. So kann Know-how-Transfer zwischen den Generationen erfolgen und wertvolles Unternehmenswissen schnell und effektiv gesichert werden.

Daniel Rother und Dr. Josef Schosser von der IHK Niederbayern hatten ebenfalls konkrete Beispiele zum wertvollen Einsatz von KI dabei. Künstliche Intelligenz kann nachweislich Prozesse in einem Industriebetrieb optimieren oder für die Auswertung von Zeitreihendaten verwendet werden, die wichtige Rückschlüsse zulassen. Wie man mit klarer Strategie, Daten und Prompting-Hacks durchstarten kann, wurde hier sehr deutlich. „KI ist nichts, was von heute auf morgen kommt, sondern eine Daueraufgabe, die uns noch lange begleiten wird“, betonte Daniel Rother. Erst wenn die Kompetenz geschaffen und auch die Belegschaft mit an Bord sei, können Unternehmen langfristig Erfolge erzielen.

Der Titel des Business Future Days der IHK lautete „KI statt KO?!“ Für die Besucher aus ganz Niederbayern endete der Tag jedenfalls mit einem klaren Ausrufezeichen für die KI.

Artikelnr: 370934